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Große Forschung über kleinste Organismen

Dr. Matthias Ullrich ist Professor für Mikrobiologie an der Jacobs University Bremen


20. Juli 2018

Wer bei Prof. Dr. Matthias Ullrich studiert, der bekommt es womöglich mit Jon Schnee oder Arya Stark zu tun. Der Mikrobiologe ist Fan von „Game of Thrones”, in seinen Vorlesungen stellt er gerne Bezüge zur Lebenswirklichkeit der Studierenden her. So bleibt der Stoff besser hängen. Und mithilfe der Serie, sagt er, könne man wunderbar zeigen, wie die Menschen schon im Mittelalter mit Substanzen ihre Wunden behandelt haben, die noch heute im Krankenhäusern verwendet werden. Für ihn sei zudem wichtig, dass die Studierenden merken: „Was sie bei uns lernen, lernen sie nicht, weil es im Lehrplan steht, sondern weil sie es irgendwann einmal anwenden können.“

Der Lebenswirklichkeit stellt er sich auch draußen, vor den Toren der Jacobs University Bremen. Ullrich ist niemand, der sich im Labor versteckt. Bei „Science goes Public“, einem Format zur Vermittlung von Wissenschaftsthemen, wirbt er in Kneipen für seine Forschung. Der 54-Jährige ist auf der Forschungsmeile an der Schlachte präsent, hat lange die Vortragsreihe im Spicarium organisiert und setzt dies jetzt mit „Wissenschaft für Jedermann“ im Bürgerhaus Vegesack fort. Er kooperiert mit Schulen, engagiert sich für „Jugend forscht“. Die verständliche Vermittlung von Wissen sei ihm enorm wichtig, sagt er. „Für mich macht es überhaupt keinen Sinn an etwas zu arbeiten, wenn es nicht gelingt, dieses Thema auch öffentlich zu machen.“

Sein Thema, das sind die Mikroorganismen. Die Kleinstlebewesen faszinieren ihn seit dem Biologiestudium an der Universität Jena, noch zu DDR-Zeiten. Das Sezieren von Ratten oder Mäusen, so stellte er damals schnell fest, war nicht so sein Ding. So stieß er auf die Pflanzenbiologie und mit ihr auf die mikroskopisch kleinen Organismen, auf Pilze, Algen, Bakterien oder Viren. Die extreme Vielfalt der Einzeller, ihre Fähigkeit zur Anpassung und zur Interaktion begeistern ihn. „Von keiner anderen Lebensform gibt es so viele verschiedene Varianten.“

Dr. Matthias Ullrich ist Professor für Mikrobiologie an der Jacobs University Bremen

Diese Vielfalt spiegelt sich auch in der Forschung von Ullrich wieder. Der Wissenschaftler arbeitet an der Gewinnung neuer Antibiotika aus Rhododendren, an der Entschlüsselung der Inhaltsstoffe der Kakaobohne und in der marinen Mikrobiologie ebenfalls an Antibiotika aus Algen. An der Breite seiner Aufgaben macht sich auch ein Wandel seines Fachgebiets fest. Die Mikrobiologie ist von einer disziplinorientierten Wissenschaft zu einer gefragten Problemlösungswissenschaft geworden, die mit vielen anderen Disziplinen interagiert. „Das macht es mir so leicht, mit anderen zusammen zu arbeiten“, sagt er.

Auf dem Campus der Jacobs Universität kooperiert er mit Chemikern, Biochemikern, Genetikern oder Zellbiologen. Er forscht und unterrichtet gemeinsam mit Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, dem Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung oder dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung. „Ich liebe interdisziplinäre Forschung“, sagt Ullrich. Sie war auch ein Grund, weshalb er nach einem mehrjährigen Aufenthalt in den USA vom Max-Planck-Institut in Marburg an die frisch gegründete Internationale Universität Bremen wechselte.

Das war 2002.  „Mir war sofort klar: Das ist der perfekte Platz für mich. Die Idee, hoch motivierte junge Menschen aus der ganzen Welt auszubilden, ist offensichtlich meine Bestimmung. Ich habe immer an diese Idee geglaubt und tue das nach wie vor“, sagt Ullrich, der unweit der Jacobs University in Bremen-Nord lebt.  Dass er zum Gelingen dieser Idee einen Beitrag leisten konnte und kann, das freut ihn ebenso wie die Ergebnisse aus 16 Jahren Forschung, die sich manifestieren in Veröffentlichungen in renommierten wissenschaftlichen Fachpublikationen aus ganz unterschiedlichen Bereichen: der marinen Mikrobiologie, der Antibiotika-Forschung und der Kakao-Forschung. „Das führt zwar manchmal zu Verwirrungen“ sagt Ullrich. „Aber darauf kann man schon stolz sein.“

Dieser Text ist Teil der Serie "Faces of Jacobs", in der die Jacobs University Studierende, Alumni, Professoren und Mitarbeiter vorstellt. Weitere Folgen sind unter www.jacobs-university.de/faces/de zu finden.


Weitere Informationen:
http://mullrich.user.jacobs-university.de/?_ga=2.65402414.1872262312.1531732726-1595588604.1426185893


Über die Jacobs University Bremen:
In einer internationalen Gemeinschaft studieren. Sich für verantwortungsvolle Aufgaben in einer digitalisierten und globalisierten Gesellschaft qualifizieren. Über Fächer- und Ländergrenzen hinweg lernen, forschen und lehren. Mit innovativen Lösungen und Weiterbildungsprogrammen Menschen und Märkte stärken. Für all das steht die Jacobs University Bremen. 2001 als private, englischsprachige Campus-Universität gegründet, erzielt sie immer wieder Spitzenergebnisse in nationalen und internationalen Hochschulrankings. Ihre fast 1400 Studierenden stammen aus mehr als 100 Ländern, rund 80 Prozent sind für ihr Studium nach Deutschland gezogen. Forschungsprojekte der Jacobs University werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder dem Europäischen Forschungsrat ebenso gefördert wie von global führenden Unternehmen.

Für weitere Informationen: www.jacobs-university.de
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