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Keine Angst vor großen Aufgaben


09. November 2016

Mehr als 2,3 Millionen Euro EU-Mittel für die Mathematikforschung an der Jacobs University. Für diese Sensationsmeldung hat Mathematik-Professor Dierk Schleicher im Sommer diesen Jahres gesorgt. Nun hat er begonnen, mit einem internationalen Team an herausfordernden mathematischen Fragen zu arbeiten. Mutig sein, Neues wagen und sich an große Aufgaben herantrauen – das sind Eigenschaften, die aus Schleichers Sicht bestens zur Jacobs University passen. 
 
Es war eine eher unscheinbare E-Mail, aus der Dierk Schleicher von dem bislang größten Erfolg seiner Karriere als Mathematikforscher an der Jacobs University erfuhr. Mehr als 2,3 Millionen Euro hatte ihm das European Research Council (ERC) für sein HOLOGRAM-Projekt bewilligt, das verschiedene Disziplinen der Mathematik miteinander verknüpft. Eine bemerkenswerte Summe und eine der höchsten Förderzusagen, die das ERC jemals an einen einzelnen Mathematiker vergeben hat. 
 
Monatelang hatte Schleicher intensiv auf diesen Antrag hingearbeitet – und nun war die Zusage plötzlich da.  „Es brauchte eine Weile, bis ich es wirklich begriffen hatte. Mein erstes Gefühl war eine große Dankbarkeit“, erinnert er sich. „Ich habe also erstmal unglaublich viel telefoniert, weil ich so vielen Menschen danken wollte.“ Da waren die Kollegen, die ihm Mut gemacht hatten, sich für dieses  innovative EU-Forschungsprogramm zu bewerben. Da waren seine Studierenden und Doktoranden, die den Antrag durch ihre guten Ideen bereichert hatten. Die Fachkollegen, die ihn in seiner wissenschaftlichen Laufbahn unterstützt hatten. Und nicht zuletzt war da ein guter Freund, der ihm kurzerhand sein Notebook geliehen hatte. „Meines war auf einmal kaputt gegangen. Da hat er mir spontan seines angeboten, sodass ich kurz vor Einsendeschluss von unterwegs aus praktisch rund um die Uhr noch weiter am Konzept arbeiten konnte. Das war eine wirklich tolle Geste.“
Dierk Schleicher erzählt mitreißend und anschaulich von den Wochen vor der Abgabe des Antrags. Er spricht von Mut und guten Ideen, aber auch von Sorgen und Zeitdruck. Und manches davon klingt so wie die Erlebnisse von Studierenden, die kurz vor ihrer Abschlussarbeit stehen. Eine Parallele, die ihm durchaus bewusst ist: „Wir Professoren an der Jacobs University ermutigen unsere Studenten oft, sich etwas zu trauen, größer zu denken und sich durch Widerstände nicht vom Ziel abbringen zu lassen. So gesehen bin ich in dieser Zeit zu meinem eigenen Studenten geworden“, sagt Schleicher mit einem Schmunzeln.
 
Innerhalb der Mathematik beschäftigt er sich vor allem mit Dynamik, mit mathematisch definierbaren Prozessen also, bei denen Bewegung eine Rolle spielt. Dynamik verkörpert er auch abseits der Mathematik. Stillstand ist für ihn ein Fremdwort, die Suche nach neuen Herausforderungen prägt seinen beruflichen Weg: „In der Schule und auch später im Mathematikstudium habe ich mich oft gelangweilt. Ich verstand den Lehrstoff, löste die Aufgaben, erledigte, was von mir gefordert war. Aber ich sah darin wenig, was mich wirklich anspornte.“ Als Gast in Princeton änderte sich seine Sicht der Dinge schlagartig: „Da waren Professoren, die für ihre Themen brannten. Da gab es spannende Diskussionen, große Forschungsfragen und ambitionierte Projekte. Das hat mich begeistert.“ 
 
Schleicher blieb in den USA, promovierte an der Cornell University, einer Ivy-League-Universität im Norden des Staates New York, und kehrte nach einem Jahr in Berkeley nach Deutschland zurück, wo er 2000 an der Ludwig-Maximilians-Universität seine erste Professur wahrnahm. Seit 2001 forscht und lehrt er nun an der Jacobs University und weiß, dass der Slogan „Inspiration is a place“ hier nicht nur ein gut klingender Werbespruch, sondern Realität ist. Das Wort Team fällt oft, wenn er über seine Arbeit spricht. Schließlich weiß er, dass gute Ideen häufig in Gemeinschaft entstehen. „Es ist mir wichtig, eine inspirierende Atmosphäre zu schaffen und Menschen zusammenzubringen, die mit wachem Geist durch das Leben gehen. Dabei lernen meine Studenten nicht nur von mir. Ich lerne auch viel von ihnen.“ 
 
Junge Mathematik-Talente zu fördern, ist ihm auch abseits des Campus ein Anliegen. Seit Langem engagiert sich Schleicher für die Mathematikolympiade und hat vor einigen Jahren auch maßgeblich dazu beigetragen, dass dieser größte Mathe-Wettbewerb der Welt in Bremen ausgerichtet wurde. Nach wie vor betreut er Schüler, die sich für Mathematik und insbesondere für Forschungsfragen interessieren, in unterschiedlichen Workshops. Dabei beteiligt er sie auch im Rahmen des großen Forschungsprojekts „damit sie früh aktuelle Herausforderungen sehen und Mathematik spannender wahrnehmen als ich damals zur Schulzeit“.
 
Seiner Vorstellung von Teamwork ist er auch treu geblieben, als er nach der Förderzusage des ERC damit begann, Top-Mathematiker aus aller Welt nach Bremen zu holen. Nicht umsonst liegt ihm ein Zitat des verstorbenen Apple-Chefs Steve Jobs besonders am Herzen: „Es macht keinen Sinn, smarte Leute einzustellen und ihnen dann zu sagen, sie tun sollen. Wir stellen sie ein, damit sie uns sagen, was wir tun sollen.“
 
Schleichers neuem Team gehören Mathematiktalente aus Weißrussland, Deutschland, den Philippinen, der Ukraine, den USA und Usbekistan an. Schon bei einer mehrtätigen Auftaktveranstaltung  konnte sich Dierk Schleicher von dem Potential seines neuen Teams überzeugen und schwärmt von dessen Energie, Kreativität und Schlagkraft. „Gerade durch die sehr unterschiedlichen Hintergründe der Teammitglieder gab es spannende und inspirierende Rückmeldungen zu vielen unterschiedlichen Teilprojekten. Wir sind gut aufgestellt und mit Begeisterung bei der Sache.“ 
 
Viele Ideen wird das Team nun also an der Jacobs University weiterverfolgen. Hier hatte Schleicher sich bereits ein Büro eingerichtet, als auf dem Gelände noch die letzten Bagger rollten. Als Freigeist, wie er von seinen Freunden bezeichnet wird, schätzt er seit jeher die weltoffene Atmosphäre auf dem Campus in Bremen-Nord. Vor allem aber liebt er an dieser vergleichsweise kleinen Universität den Mut, sich an die wirklich großen Forschungsfragen heranzutrauen. So, wie er es einst in seinem Jahr als Forschungsstudent in den USA kennengelernt hat.
 
Weitere Informationen:
 
 
 
Fragen beantwortet:
Dierk Schleicher | Professor für Mathematik
d.schleicher [at] jacobs-university.de | Tel.: +49 421 200-3213
 
Über die Jacobs University:
Die Jacobs University ist eine private, unabhängige, englischsprachige Universität in Bremen. Hier studieren junge Menschen aus der ganzen Welt in Vorbereitungs-, Bachelor-, Master- und PhD-Programmen. Internationalität und Transdisziplinarität sind die besonderen Kennzeichen der Jacobs University: Forschung und Lehre folgen nicht einem einzigen Lösungsweg, sie gehen Fragestellungen aus der Perspektive verschiedener Disziplinen an. Dieses Prinzip macht Jacobs Absolventen zu begehrten Nachwuchskräften, die erfolgreich internationale Karrierewege einschlagen.
 
Kontakt:
Kristina Logemann | Brand Management, Marketing & Communications
k.logemann [at] jacobs-university.de | Tel.: +49 421 200-4454