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Renate Bollmann: Abschied vom Café „Friseur“ mit gemischten Gefühlen

Wohlverdienter Ruhestand: 19 Jahre lang hat Renate Bollmann den Imbiss „Friseur“ an der Jacobs University betrieben. Nun zieht sie sich zurück. (Quelle: Jacobs University)

 

18. November 2020

Sie ist eine Institution auf dem Campus der Jacobs University in Bremen-Nord. Seit 19 Jahren betreibt Renate Bollmann gleich rechts neben dem Haupteingang ihren Imbiss „Friseursalon“. Er heißt so, weil dort einst der Bundeswehrfriseur die Köpfe der Soldaten schor. Ende des Jahres ist für die 68-Jährige nun Schluss mit „Bollie’s Bistro“, wie es von den Gästen liebevoll genannt wird. „Anfangen ist leichter als aufhören“, beschreibt sie ihre gemischten Gefühle. „Das stelle ich jetzt fest, das wusste ich vorher nicht.“

Als sie anfing, waren noch Soldaten der Bundeswehr auf dem Gelände stationiert, die Auflösung der Kaserne aber schon beschlossen. Das war im Oktober 1999. „Ich habe damals das Mannschaftsheim geleitet und zunächst für die Offiziere gekocht“, erinnert sich Renate Bollmann. Die Soldaten gingen, sie blieb – und kochte nun für die Bauarbeiter, die die Kaserne zur Universität umfunktionierten, und später für die Mitarbeitenden der Jacobs University.

Auch die Räumlichkeiten änderten sich. Das Mannschaftsheim wurde von der Universität benötigt. Sie bot ihr als Alternative im Jahr 2001 – dem Startjahr der Jacobs University – den ehemaligen Friseursalon der Bundeswehr an. Renate Bollmann zögerte nicht lange und griff zu, obwohl der Salon noch komplett ausgestattet war. „Es gab keine Küche, keinen Kühlschrank, keinen Abräumwagen, dafür sechs Waschbecken mit Stühlen, Spiegeln und Teppichboden.“ Manches Einrichtungsstück im Imbiss ist geblieben aus dieser Zeit. Und noch immer lässt sich der ein oder andere von dem Namen täuschen. „Erst neulich war wieder jemand hier, der sich die Haare schneiden lassen wollte“, erzählt sie lachend.

Suppen, Salate, Jägerschnitzel, Currywurst mit Pommes oder Strammer Max – die Gerichte, die sie anbietet, sind im besten Sinne bodenständig. In Laufe der Jahre hat sich Renate Bollmann ein Stammpublikum erobert. Während die Studierenden in der Regel in ihren Mensen essen, kommen viele Beschäftigte der internationalen Universität zu ihr. Auch die Nachbar:innen aus Bremen-Nord sind willkommen, der Imbiss ist für alle da. „Meine Gäste sind mir am wichtigsten. Der Umgangston ist freundlich, kein Vergleich zu den Kasernenzeiten!“

Mittags ist das Hauptgeschäft, doch meist ist die Mutter von zwei Kindern schon morgens ganz früh im Bistro. Die Brötchen müssen geschmiert, die Gerichte vorbereitet werden. Und dann ist ja auch noch der Einkauf und die Buchhaltung zu erledigen. „Auf eine 60-Stunden-Woche komme ich schon.“ Bereits vor zwei Jahren hatte sie ans Aufhören gedacht und dann doch weiter gemacht. „Jetzt merke ich, dass mein Körper nicht mehr so will“ – und Corona hat es ihr nicht leichter gemacht.

Spaß hat ihr die Arbeit dennoch immer gemacht, sie hat sie ausgefüllt. Aber langweilig wird ihr auch als Rentnerin nicht werden, ist sich Renate Bollmann sicher. Da ist ihre Familie mit ihrem Mann Lothar, mit dem sie seit 50 Jahren verheiratet ist. Da sind ihre beiden Töchter Sandra und Ivonne, ihre vier Enkel:innen – von denen einige in den Schulferien immer mal wieder auch im Café aushalfen – und seit kurzem ein Urenkel, der sie zur Urgroßmutter machte. Da ist das Haus am Sportparksee, nur wenige Kilometer von der Jacobs University entfernt, mit dem großen Garten, der gepflegt werden will.

Und da ist ihre Vorliebe für Hunde. Drei Boxer und einen Dackel hatte sie bereits und spielt nun mit den Gedanken an Hund Nummer 5. Ihn würde sie wieder aus dem Tierheim holen, wie sie es schon zuletzt mit Dieter, dem Dackel, gemacht hatte. „Die Rasse ist mir egal. Hauptsache nicht so groß, damit ich ihn handeln kann!“

Was aus ihrem Bistro wird, das wird Renate Bollmann verfolgen. Im Auftrag der Jacobs University sucht das Unternehmen SN-Beratung nach einer neuen Betreiberin oder einem Betreiber. Sollten Sie Interesse haben, in die Fußstapfen von Renate Bollmann zu treten, dann schreiben Sie eine Mail an hpnollmann [at] t-online.de.

Dieser Text ist Teil der Serie "Faces of Jacobs", in der die Jacobs University Studierende, Alumni, Professoren und Mitarbeiter vorstellt. Weitere Folgen sind unter www.jacobs-university.de/faces/de zu finden.
 

Über die Jacobs University Bremen:
In einer internationalen Gemeinschaft studieren. Sich für verantwortungsvolle Aufgaben in einer digitalisierten und globalisierten Gesellschaft qualifizieren. Über Fächer- und Ländergrenzen hinweg lernen, forschen und lehren. Mit innovativen Lösungen und Weiterbildungsprogrammen Menschen und Märkte stärken. Für all das steht die Jacobs University Bremen. 2001 als private, englischsprachige Campus-Universität gegründet, erzielt sie immer wieder Spitzenergebnisse in nationalen und internationalen Hochschulrankings. Ihre mehr als 1.500 Studierenden stammen aus mehr als 120 Ländern, rund 80 Prozent sind für ihr Studium nach Deutschland gezogen. Forschungsprojekte der Jacobs University werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder aus dem Rahmenprogramm für Forschung und Innovation der Europäischen Union ebenso gefördert wie von global führenden Unternehmen.

Kontakt:
Marica Tomiak | Corporate Communications & Public Relations
m.tomiak [at] jacobs-university.de | Tel.: +49 421 200-4134